Tour de Kultur – Das Hilbringer Schlösschen

Tour de KulturDas Hilbringer Schlösschen
(Längerer Text)
Am Wochenende eine kleine Tour gemacht und zwar im Hilbringer Schloss.

Obwohl das Schlösschen wie es auch genannt wird, schon 275 Jahre dort steht war es immer der Öffentlichkeit verwehrt.
Und Mancher der von Merzig kommend auf die Kreuzung zu fährt mag es auch übersehen haben, das oben am Schlossberg alles überragende barocke Bauwerk.

Erbaut wurde es 1745 von Christian Kretschmar, einem deutschen Baumeisters des Barock.
An selber Stelle soll die „Burg“ der Ritter von Hilbringen“ gestanden haben. Bei der es sich wahrscheinlich eher um ein sogenanntes „Feste Haus“ handelte und das um 1733 abgerissen worden sein soll.

Die Lage des Bauwerkes ist an markanter Stelle von Hilbringen zu finden.
Am Schlossberg gelegen, gegenüber der Hilbringer Pfarrkirche und oberhalb der schon lange existierenden Wegekreuzung, deren Hauptweg von Merzig kommend in den Saargau und dessen Höhen hinauf führt bis weit ins Lothringer Hügelland.

Unterhalb des Schlosses befand sich schon seit langer Zeit ein Brunnen an dem die Bauern die dort
mit ihren Wagen vorüber fuhren oder im Gasthaus Pese , heute König Kebap davor Hotel zum Goldenen Hirsch, Rast machten tränkten dort ihre Tiere. Auch viele Lothringer die in Merzig ihre Geschäfte erledigten nutzten den Brunnen und das gegenüberliegende Gasthaus gerne.

Immer im Privatbesitz und zuletzt doch sehr dem Zahn der Zeit ausgesetzt, wäre im Laufe der Zeit aus dem ehemaligen Kleinod wohl eher das Gegenteil geworden.
Aber das Schlösschen hat neue Besitzer gefunden.
Und diese neuen Besitzer haben ihm auch eine neue Aufgabe zu gedacht die das Gebäude auch wieder mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken wird.
Es soll touristisch genutzt und Ferienwohnungen errichtet werden.
Alles natürlich unter den Richtwerten des Denkmalschutzes. Und in einem entsprechenden, dem alten Gemäuer, angepasstem Stil. Wobei natürlich auch auf eine moderne, bequeme Einrichtung Wert gelegt wird.
Und ich kann sagen, das dies den neuen Besitzern gelungen ist.
Es handelt sich um die ACT Projekt GmbH und Co. KG.
Die Führung ermöglicht hat mir Christoph Rehlinger, den ich von einer historischen Wanderung kenne, die der historische Arbeitskreis Silwingen, der von mir gegründet wurde, im Jahre 2019 veranstaltete und durch den Heidwald führte.

Die Führung ging durch alle Räume vom Dachboden bis zum Keller.
Im Erdgeschoss und im ersten Stock werden die Ferienwohnungen eingerichtet und es wird sehr auf historische Details geachtet.
Alte Kamine, einer mit einer großen historischen Takenplatte, beherrschen die verschiedenen Zimmer. Da leider nicht mehr viele Möbel oder Einrichtungsgegenstände von früher vorhanden waren mussten diese mühsam besorgt werden.
Kronleuchter und eine helle Farbgestaltung bestimmen nun die einladenden Räume.

Ein großer Raum im ersten Stock durch dessen Balkontür der Blick auf die Saar und Merzig geht, War sich Haupt Aufenthaltsraum und das Empfangszimmer der früheren Bewohner. Auf einem kleinen Podium standen früher geschnitzte Stühle und mancher Besucher ließ sich dort verweilend nieder.
Möglich aber auch das dort musiziert wurde.
Ob das Podium heute noch vorhanden ist, ist mir jetzt nicht aufgefallen.

Vom Erdgeschoss führt im hinteren Bereich eine breite geschwungenen Treppe bis unters Dach.
Man sieht der Treppe die vielen Benutzer an die im Laufe der Jahrhunderte hinauf und hinab gestiegen sind. Entsprechend vorsichtig muss man sie benutzen.

Mächtige Kamine beherrschen den Dachboden. Und aus den Luken hat man einen tollen Blick ins Saartal Richtung Merzig, über den Ort Hilbringen hinweg.
Links bietet eine kleine Luke den Blick auf die auch auf einer kleinen Erhöhung stehenden Hilbringer Pfarrkirche. Die zusammen mit dem Schloss den Mittelpunkt des Ortes bildet.

Ein paar alte Bücher waren in einer Ecke zu sehen und eine große alte Bibel war dabei.
Handelt es sich gar um die einem Zeitungsartikel vom 29 September 1949 aus der Saarbrücker Zeitung erwähnten: „ Eine Lutherbibel die 1703 gedruckt wurde und ganz in Leder eingebunden ist“.

Der Keller mit seinen hohen Räumen ist teilweise noch gewölbt. Und auch heute noch wegen der Temperatur als Vorratsraum zu nutzen.

Die Vorderseite wird von der Mittelachse in die das Portal eingefügt ist und über dem eine Loggia drohnt beherrscht. Die wiederum von einem kunstvollen Kranzgesims der bis ins Mansardendach reicht, gekrönt wird.

Der Hof auf der Rückseite der links von den früheren Gesindehäusern gesäumt wird führt zum Hintereingang. Der aber der eigentliche Eingang ist.
Und ganze vorne rechts befindet sich das sogenannte Pförtnerhäuschen.
Weinranken geben den Gebäuden ein gewisses Flair.
Geländer, Treppen und Pflanzen runden das Ganze ab.

Rechts vom hinteren Eingang geht es dann in den großen Schlosspark, der aber noch viel Arbeit vor sich hat um seiner wahren Bestimmung wieder übergeben zu werden.

Die Renovierungen im Innern schreiten zügig voran, man will ja schließlich fertig werden und das alte Gebäude endlich seiner Bestimmung übergeben.

Der historische Aspekt soll aber auch seinen Stellenwert erhalten. So plant man an der Zufahrt zum Schlösschen unten an der Straße eine historische Infotafel auf zustellen, die alte Fotos, Zeichnungen und historische Informationen enthalten soll.
Der Historische Arbeitskreis Silwingen wurde gebeten sich dieser Aufgabe anzunehmen. Ein Anliegen dem wir gerne nachkommen werden.

Vielen Dank an Christoph Rehlinger für die ermöglichte Führung und viel Erfolg bei diesem innovativen Projekt.

Lothar Bauer für den historischen Arbeitskreis Silwingen.
Silwingen im Oktober 2020