Schlagwort-Archive: Brauchtum

Mundart Kolumne in der SZ

Nach dem Tode von Frau Dr. Edith Braun, die lange Zeit die Mundartsparte in der SZ betreute, gibt es nun wieder eine solche in der SZ.
Und zwar die Mundart-Kolumne unter dem Namen „Saarmòò“.
Seit Februar 2017.
Abwechselnd auf Rheinfränkisch und Moselfränkisch erscheinen Texte von 6 Autorinnen und Autoren : Karin Peter (mf), Karin Klee (mf), Gérard Carau (mf), Georg Fox (rf), Peter Eckert (rf) und Günther Hussong (rf).
(Quelle Gau und Griis )

De Sprooch gehiert zou us. Se därf net verlur génn.

Alte Grabsteine … Kerfisch Sölwingen

damit ist unser Friedhof ( Silwingen ) nicht gerade gesegnet.
Wenn man da ins benachbarte Lothringen fährt, findet man auf den kleinsten Friedhöfen die schönsten Grabsteine und Monumente.
Aber diese Zeit ist vorbei.

Am Rande zwei alte Grabsteine die so zum Glück erhalten beiben.

 

Johannistag 23 Juni – Wetterregeln, Bauernregeln, Brauchtum

Einer der wichtigsten magischen Tage des Jahres.

Der Johannistag (auch Johanni, Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni.

Wetterregeln:
Wenn Johannes ist geboren, gehen die langen Tage verloren
Wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst man richten die Sensen.
Am Johannistag die ersten Kirch’ nach Hause trag.

Rhabarber sollte man nur bis zu diesem Tage ernten.

Das keltische Jahresfest LithaI das am Tag der Sommersonnenwende gefeiert wurde, wurde  von der  Kirche bekämpft und schließlich als Johannistag umgestaltet.

Das Johanniskraut das mit diesem Tage in einem besonderen Zusammenhang steht, sollte an diesem geerntet werden,
damit es eine besonders große Heilkraft erzielt.

Gedicht zum Johannistag von Johann Wolfgang von Goethe
Johannisfeuer sei unverwehrt,
die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt
und Jungens immer geboren.

De Chang hêtt Geburtsdach – Luxemburg Nationalfeiertag

Der luxemburgische Nationalfeiertag wird jedes Jahr am 23. Juni gefeiert.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts war es Tradition, den Geburtstag des jeweiligen Herrschers zu feiern.

Obwohl Wilhelm III am 17. Februar geboren wurde, wurde 1850 dieser Feiertag auf den 17. Juni verlegt, den Geburtstag seiner Frau, der Königin Sophie. Dies wegen der Nähe zum Todestag seines Bruders, Prinz Alexander, der am 20. Februar 1848 gestorben ist.

Unter der Herrschaft der Großherzogin Charlotte fiel die Feier auf den 23. Januar, also mitten in den Winter.

Deshalb wurde 1961 – aus rein klimatischen Gründen – entschieden, den Großherzoginnengeburtstag auf den 23. Juni zu verlegen. Dieses Datum wurde auch beibehalten als Großherzog Jean am 12. November 1964 den Thron bestieg, vermutlich, weil es der Vortag seines Namenstages Jean (Johannes) war, der am 24. Juni gefeiert wird.

Auch unter dem aktuellen Großherzog Henri hat das Datum weiterhin Bestand, auch wenn es nun keinen direkten Bezug zum Monarchen mehr hat.

Am Abend vor dem Feiertag wird im ganzen Land gefeiert, mit Feuerwerken und Festen.
Die Familie des Großherzogs besucht verschiedene Städte im ganzen Land.
Und eine große Militärparade wird am Feiertag in der Hauptstadt abgehalten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Luxemburgischer_Nationalfeiertag

Gipser …

Es gibt sie noch die Gipser.
Mein Vater war Gipser. Aus Gerlfangen
Gasthaus zum Gipser in Merchweiler

Die Hochburg der Gipser lag früher im Raum Rehlingen-Siersburg.
Dort erwarben die Gebrüder Knauf 1935 ein weiteres Gipswerk.
Und die Geschichte der Gipser im Saarland nahm seinen Lauf.
Auch heute noch kommen viele Gipser aus dieser Ecke des Saarlandes.
Knauf Gipswerke

Der Wonnemonat Mai …

Der Mai ist gekommen …
Wetter mäßig aber noch nicht so richtig.
Zu kühl auf jeden Fall bis jetzt.
Das Wachstum wird gebremst.
Im April hatten wir schon eine Kältewelle und den kältesten April seit 16 Jahren.

Aber…
Mairegen bringt Segen.
Ein kühler Mai wird hochgeacht’, hat stets ein gutes Jahr gebracht.

Also könnte das Jahr ab Juni besser werden und wärmer.

Der erste Eisheilige St. Mamertus am 11 mai stht kurz bevor und man merkt es.
Die Bohnen läßt man besser noch aus der Erde und auch andere Pflänzchen.

 

Der Vorfrühling ist da …

Der Vorfrühling beginnt meist Ende Februar oder Anfang März. Er wird angezeigt durch die Erste Blüte von Haselnuss, Schneeglöckchen, Schwarz-Erle und Salweide, die Vollblüte des Winter-Jasmins, in den Alpen den Austrieb des Bergahorn. Sobald die überschüssige Winterfeuchtigkeit von den Böden verschwunden ist, beginnt die landwirtschaftliche Tätigkeit, die mit der Aussaat des Sommergetreides endet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nologie

August Stramm
Vorfrühling
Pralle Wolken jagen sich in Pfützen
Aus frischen Leibesbrüchen schreien Halme Ströme
Die Schatten stehn erschöpft.
Auf kreischt die Luft
Im Kreisen, weht und heult und wälzt sich
Und Risse schlitzen jählings sich
Und narben
Am grauen Leib.
Das Schweigen tappet schwer herab
Und lastet!
Da rollt das Licht sich auf
Jäh gelb und springt
Und Flecken spritzen –
Verbleicht
Und
Pralle Wolken tummeln sich in Pfützen.

Quelle:http://gutenberg.spiegel.de/buch/august-stramm-gedichte-152/13
type    poem, booktitle    Gedichte / Dramen / Prosa / Briefe,author    August Stramm, year    1997

publisher    Philipp Reclam jun., address    Stuttgart,isbn    3-15-009929-3
title    Vorfrühling,pages    9-10,created    19990614,sender    gerd.bouillon@t-online.de

Fastnacht im Landesarchiv

 

Fastnacht, Fasching, Karneval …
Auch im Landesarchiv des Saarlandes

“ Das Fastnachts-, Ulk-, Scherz- und Festblatt neuester Nachrichten aus dem Jahre 1896 wurde vor ein paar Tagen beim Bearbeiten des schriftlichen Nachlasses der Ensheimer und Forbacher Industriellenfamilie Adt im Landesarchiv entdeckt (Im Archivverzeichnis zu finden unter der Signatur FNL Adt 16).“

Tag der Muttersprache -Us Sprooch es sche.in

Awer wer kennt se noch?
On wer verstäht es noch on schwätzt se noch?

On noch wat! Schummen braucht man sich net dofier.

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Mein Wort zum Tag der Muttersprache:
Spawecken
Wat es dat?

Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der UNESCO ausgerufener Gedenktag zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen.[1]

Vor dem Hintergrund, dass gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht ist, hat sich die UNESCO zum einen die Förderung von Sprachen als Zeichen der kulturellen Identität der Sprechenden auf die Fahnen geschrieben, zum anderen geht es ihr auch um den Fremdsprachenunterricht und Mehrsprachigkeit als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Respekt.

Internationaler_Tag_der_Muttersprache

 

Historische Bilderflut -altes Foto

Unser Aufruf um historisches Material an die Silwinger hat uns eine wahre historische Bilderflut beschert.

Roland Bohr hat mir über 300 Bilder von früher aus den verschiedensten Bereichen überlassen. Vielen Dank.

Das folgende Bild zeigt frühere Erntearbeiten.
Rechts oben ist das Haus Schwarz Manfred,Renate zu sehen.
Laut Renate Schwarz ist das Foto nach 1938 entstanden.
Ganz vorne das Haus Maurer mit der noch nicht umgebauten Scheune links.
Den Schuppen neben dem Haus gibt es auch noch nicht.

Altes Wegekreuz in Silwingen

Das alte Wegekreuz wird dieses Jahr 200 Jahre alt.
Es befindet sich in einer Mauernische gegenüber dem Haus Mondorferstraße 27.

Es stellt die Kreuzigung dar.
Auf dem Sockel ist die Jahreszahl 1817 zu erkennen.
Eine Restauration scheint aber zu teuer zu sein, so das dieses alte Denkmal nach und nach verfallen wird.
Eine Möglichkeit wäre aber die Mauernische mit einer durchsichtigen, bruchsicheren Glasplatte zu verschließen.

Wissenswertes zu den Rauhnächten 02

Die indogermanischen Kelten feierten diesen Brauch zu Samhain, was in der Neuzeit zu Halloween avancierte. Zumindest an den vier besonders wichtigen Rauhnächten (21. Dezember, 24. Dezember, 31. Dezember und 5. Januar) werden im Volksbrauchtum Haus und Stall vom Hausvater mit Weihwasser und Weihrauch gesegnet, Kerzen entzündet und Gebete gesprochen. Diese vier Rauhnächte galten mancherorts als derart „gefährlich“, dass sie mit Fasten und Beten begangen wurden. Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine Wäsche auf der Leine hängen. Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf der Straße sein.

In den zwölf Nächten, auch „die krummen Tage“ genannt, spinnt man nicht, weil sonst Frau Holle oder Frau Harre kommt und den Rocken verunreinigt. oder weil man Zank und Ungeziefer in das Haus zu spinnen meint.
Auch fürchtet man, daß die Hühner das ganze Jahr über keine Eier legen.
In anderen Gegenden hütet man sich davor, Hülsenfrüchte zu essen, weil man sonst Geschwüre bekommt.
Ein armer Mann aus Thüringen erzählte, dass es in seiner Jugend Sitte gewesen sei, in den zwölf Nächten in den Garten zu gehen, an allen Obstbäumen zu rütteln und ihnen zuzurufen: „Bäumchen, schlaf nicht, Frau Holle kommt!“
Frau Holle ist die uralte germanische Göttin HEL, mit den roten Augen der Hexen.

 

So geistern viele kuriose Gerüchte über die Rauhnächte umher und in jedem Jahr werden es mehr. So heißt es doch, dass wir in den Rauhnächten nicht um Geld spielen sollen. Eines bin ich mir gewiss, die Rauhnächte sind ganz sicher älter als das Geld selbst.

Räume nicht auf und wasche nicht an Weihnachten und zu Silvester ist auch kein ursprünglicher Rauhnachtsbrauch. Der Ursprung des heutigen Weihnachtsfestes liegt in der Wintersonnenwende und diese ist zumeist 3 Tage vor Weihnachten. Auch das Silvesterfest, wie wir es kennen, gab es noch nicht, als die Rauhnächte geboren wurden.

Vieles wurde im Laufe der Geschichte verfälscht und es ist heute wirklich sehr schwer zu sagen, welche Bräuche den Ursprüngen am ehesten entsprechen.

Zu guter Letzt sollst du in den Rauhnächten nicht mit den Türen knallen, du sollst nichts Geliehenes im Hause haben und dir deine Haare und Fingernägel nicht schneiden.

Über alles Weitere sind sich wohl selbst die Götter nicht ganz einig.

http://anthrowiki.at/Raun%C3%A4chte#Die_Wilde_Jagd
https://de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht

Wissenswertes zu den Rauhnächten 01

Die Festeszeit der Raunächte hat ihren Ursprung in der germanischen Zeitrechnung. Die Germanen kannten das Mond- und das Sonnenjahr, wobei sie in Mondzyklen von ca. 29,5 Tagen rechneten. Da das Sonnenjahr aber 365 Tage hat, besteht eine Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten. Diese 12 Nächte sind die 12 Weihnächte oder Rauhnächte, von denen jede einem Mondzyklus entspricht. Die zwölf Monate, nach denen auch die Germanen das Jahr gliederten, bilden sich in der Abfolge der zwölf Nächte ab und Orakel, die in diesen Nächten gestellt wurden, sollten eine prophetische Vorbedeutung für die entsprechenden Monate des folgenden Jahres haben.

Altem Volksglauben zu Folge seien die Rauhnächte zum Erstellen von Orakeln sehr geeignet. Im Silvesterbrauchtum wird dieser Glaube in Form des Bleigießens bis heute weiter gepflegt.

Um Mitternacht sollen Tiere die menschliche Sprache sprechen können und die Zukunft voraussagen. Wer das allerdings hört, der sterbe unmittelbar danach.

Quellen unter anderem:
http://anthrowiki.at/Raun%C3%A4chte#Die_Wilde_Jagd
https://de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht

Wintersonnenwende, Thomastag

21. Dezember: St. Thomas

Heute am 21 Dezember dem Thomastag ist der dunkelste Tag des Jahres.
Der kürzeste Tag und die längste Nacht.

Namenstage:Thomas, Ingomar, Peter, Richard, Bazela, Petrus Canisius, Johannes;

    Wenn Sankt Thomas dunkel war, gibt’s ein schönes neues Jahr.
    Sankt Thomas bringt die längste Nacht, weil er den kürzesten Tag gebracht.
    Am Thomastag wächst der Tag nur einen Hahneschritt.
    Wenn St. Thomas dunkel war, gibt´s ein schönes neues Jahr.
    Friert’s am kürzesten Tage,so ist’s immer eine Plage.
    Aber ab morgen schon werden die Tage wieder länger.Zwar langsam aber stetig.
    „Ab Thomastag wächst der Tag um einen Hahnenschrei“

Am  21. Dezember war in der bäuerlichen Tradition auch der Tag, an dem die Schlachtung der Mettensau erfolgte. Das auch als „Weihnachter“ bezeichnete Hausschwein wurde speziell für den weihnachtlichen Festbraten nach der Christmette gemästet.
    
Geräuchert wird in den Rauhnächten zur Abwehr oder zur Segnung von Haus, Hof und Vieh.
Aber nicht am Thomastag.
    
Durch die Neigung der Erdachse 23,5 Grad zur Senkrechten beträgt fällt die Sonne im Sommer in einem fast Senkrechten Winkel auf die Erde   und im Winter in einem schrägen Winkel.
Das kostet Energie und dadurch geht Wärme verloren

Die Wintersonnenwende war in vielen antiken und frühmittelalterlichen Kulturen ein wichtiges Fest, das oft ein paar Tage vor bzw. nach dem Datum der tatsächlichen Sonnenwende gefeiert wurde. Zur Zeit der Einführung des Julianischen Kalenders lagen die Sonnenwenden auf dem 25. Dezember

Mit Sicherheit kannten auch unsere Vorfahren die Kelten den Tag der Wintersonnenwende.
Läutet er doch einen Umbruch im Tagesverlauf ein.
In wie weit aber das Sonnenfest das auf irische und schottische Feuerfeste zurück geht ist nicht so recht bekannt.

Vielfach wird aber davon berichtet das sowohl die Kelten als auch die Germanen die Zeit der Wintersonnenwende und die drauf folgenden Rauhnächte feierten.
Das Julfest war auf jeden Fall in den nordischen Ländern bekannt.

 

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel
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https://de.wikipedia.org/wiki/Thomasnacht

Wetterregeln – Bauernregeln 4 Dezember Barbaratag

4. Dezember: St. Barbara
Auf Barbara die Sonne weicht, auf Lucia (13.12.) sie wiederum her schleicht.
Geht Barbara im Klee, kommt das Christkind im Schnee.
Knospen an Sankt Barbara, sind zum Christfest Blüten da.
Nach Barbara geht’s frosten an, kommt’s früher, ist nicht wohlgetan.
Zweige schneiden zu Sankt Barbara, Blüten sind bis Weihnachten da.

5. Dezember
Nach Barbara (4. Dezember) geht’s Frosten an, kommt’s früher, ist nicht wohlgetan.
Sankt Gerald, es wird kalt.

Nach einer alten Tradition werden am Barbaratag Zweige von einem Obstbaum (meist von einem Kirschbaum, einem Apfelbaum) oder einer Forsythie geschnitten und ins Wasser gestellt.[13] Diese Barbarazweige, in den Alpen Barbarabaum, sollen bis zum Heiligen Abend blühen und in der kalten und düsteren Winterzeit ein wenig Licht in die Wohnung bringen. Dies geht zurück auf einen Einzelzug der Legende: Auf dem Weg in das Gefängnis blieb Barbara mit ihrem Gewand an einem Zweig hängen. Sie stellte den abgebrochenen Zweig in ein Gefäß mit Wasser, und er blühte genau an dem Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_von_Nikomedien


Wikimedia Commons/KarlGruber

 

Nachtrag: Buß und Bettag – der kalte Mittwoch

Von einem Saarhölzbacher Historiker freundlicherweise überlassen:

Ich versuche mal ein Wenig Licht ins Dunkel zu bringen, bezüglich der Grundlagen und der Herkunft des Brauchtums.
Mit dem Hochwald, den wir so als Landstrich grob beginnend um Losheim herum kennen, hat das nichts oder nur sehr wenig zu tun. Mit unserem heimischen Wald, der sich als großes zusammenhängendes Waldgebiet von Mettlach bis zum Erbeskopf erstreckt, sehr wohl. Hier sprechen wir vom Schwarzwälder-Hochwald. Richtig ist, dass hier an die traditionelle Nahrungszubereitung der Köhler erinnert wird. Mit einem harten Winter 1709 hat das nichts zu tun (vielleicht von kirchlicher Seite in einer speziellen Gemeinde, das mag sein). Mit der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jhd. brauchten die Fabriken immer mehr Kohle, in unserer Region handelt es sich dabei natürlich um Villeroy & Boch. Da Stein- / Braunkohle nur einen bedingt geeigneten Brennwert für die Porzellanherstellung hat (die genauen Grundlagen der Porzellanproduktion kenne ich da nicht!) und außerdem der Transport von den Gruben „lange“ dauerte, verfeuerte V&B besonders viel Holzkohle, die in der direkten Umgebung gewonnen wurde. Zu nennen sind hier Mettlach selbst und im Besonderen Saarhölzbach. Saarhölzbach, wie der Name schon sagt (abgeleitet von der „Saar“ und dem „Holzbach“), war ein reines Waldarbeiterdorf, abgesehen von den Agrarflächen zur Nahrungsgewinnung der ortsansässigen Familien. Die Waldarbeiter schlugen Holz und flößten dies den Holzbach hinab bis zur Saar, wo es verschifft wurde. Dieser Vorgang gibt auch dem Bach und dem Ort seinen Namen. Ebenso wurde mit der Holzkohle verfahren, die im Wald herstellt wurde.
Da der Weg in den Wald teils lange war und die Köhlerei ein langwieriger Prozess, konnten diese Arbeiter es sich nicht leisten, z. B. zur Mittagszeit ins Dorf zu wandern, essen, pausieren etc. um danach wieder in den Wald zurück zu kehren, schon gar nicht im Winter, wenn es früh dunkel wurde.
So kam jemand auf die Idee, wer auch immer, das Fleisch (Kotletts) auf die selbe Art zuzubereiten, wie die Holzkohle; nämlich im Köhlerhaufen. Dadurch, dass durch feuchtes Laub, Moos und Schnee der Gluthaufen luftdicht abgeschlossen ist, verbrennen Feststoffe (Holz wird zu Kohle und nicht zu Asche) nicht. So lässt sich eben auch Fleisch garen, oder schmoren.
Ich vergaß noch zu erwähnen, warum man jetzt ausgerechnet am Buß- und Bettag in den Wald lief:
So ein Köhlerhaufen brauchte in der benötigten Größe zwischen 2 und 4 Wochen um abzubrennen und somit genüg Holzkohle zu fördern. Deshalb blieben tage- oder auch wochenlang ein oder zwei Männer im Wald. Da der Buß- und Bettag ein sehr hoher kirchlicher Feiertag war, wollten die Frauen und Kinder ihre Väter nicht alleine im Wald sitzen lassen und sind mit Sack und Pack in den Wald gestiefelt, den Papa besuchen. Als ich ein Kind war, wurde das auch immer so gehandhabt, dass die Väter früh in den Wald sind das Feuer anzünden und wir Kinder mit den Müttern erst am späten Morgen hinterher.

Die Tradition, dass „Alle“ in den Wald rennen und so ihre Kotletts zubereiten, stammt also tatsächlich aus dem kleinen Örtchen Saarhölzbach in der Gemeinde Mettlach. Hier liegt dann auch der Grund, warum sich die Tradition weiter verbreitet hat, auch in die nicht so waldreichen Regionen wie den Saargau. Die Tradition wandert also die Saar hinauf und kommt nicht von der Region „Hochwald“ runter.
Aber natürlich ist es ein schöner Vorgang, der ein wenig den Zusammenhalt und die Verbindung der kleinen saarländischen Dörfer zeigt und es ist schön, dass das heute noch praktiziert wird und dass es auch in benachbarten Regionen regen Anklang findet.